Roadmovies

Hit the Road, Jack!
oder: Was ist eigentlich ein Roadmovie?

Laut Wikipedia ebneten literarische Werke wie Jack Kerouacs Unterwegs und weitere Bücher der Beat Generation den Boden für das Roadmovie, da sie dem gleichen Thema verpflichtet waren: die unruhige Wanderschaft als Ausdruck eines modernen Lebensgefühls. Die Filme handeln vom Unterwegssein ihrer Helden und der Schwierigkeit, einen Platz in der Welt zu finden. Die Protagonisten stehen dabei oft als Outlaws außerhalb des Gesetzes oder fordern vergeblich ihre Rechte bei der Gesellschaft ein.  Damit gleichen sie eigentlich einer postmodernen Form des Westerns mit Helden, die nicht in die Gemeinschaft integriert sind und, auf sich allein gestellt, die Freiheit (und möglicherweise Gerechtigkeit oder den Sinn des Lebens) anderswo suchen.

Und damit definieren sie eigentlich perfekt den Typus des „Helden“ eines Unknown Armies Szenarios (und vieler anderer Rollenspiele sowieso).

longRoad
On the Road again
oder: Wie und warum man ein Roadmovie als Rollenspielthema wählt

Auch hier hilft wieder die Wikipedia: „Als Abenteuer wird eine risikoreiche Unternehmung (…) bezeichnet, das sich stark vom Alltag unterscheidet – ein Verlassen des gewohnten Umfeldes und des sozialen Netzwerkes, um etwas (Riskantes) zu unternehmen, was interessant, faszinierend zu sein verspricht und bei dem der Ausgang ungewiss ist.“

Der Unterschied vom Road-Movie-Szenario zum Expeditionsabenteuer liegt dabei im Fokus der Reise. Während bei einer Expedition das Erreichen des Ziels im Mittelpunkt stehen, muss beim Road-Movie ein Ziel gar nicht existieren (oder ist nur als McGuffin oder die Charaktere sind einfach auf der Flucht).  Es geht darum, eine Reise zu machen, nicht oder nur vorgeblich darum, auch anzukommen.  Im Roadmovie eröffnet die Reise die Möglichkeit, die etablierte Ordnung zu verlassen. Die endlose Straße, die sich gen Horizont erstreckt, verheißt mannigfaltige Formen der Freiheit.

Besonders interessant schient mir dabei der Passus „Verlassen des gewohnten Umfeldes und des sozialen Netzwerkes“, das bei einem Roadmovie unabdingbar ist. Während bei einem herkömmlichen Rollenspielszenario die Abenteurer von einem Stützpunkt aus agieren, ihre festen Treffpunkte, Informationsquellen und Kontakte haben, fehlt ihnen dies beim Roadmovie. Die Dinge werden sind in Summe schwieriger, die Zweifel an der Verlässlichkeit von Informationen und Versprechungen größer.

Auch Ressourcen bekommen einen höheren Stellenwert; nicht nur, dass es schwierig ist, während einer Reise (legal) an Geld zu kommen, auch eine vernünftige Bezugsquelle für Ausrüstung zu finden, kann ein kleines Abenteuer werden. Andererseits wird dadurch aber auch das Band zwischen den Mitgliedern der Abenteuerergruppe gefestigt, denn diese Personen sind meist die einzige (vermeintlich) verlässlichen Variablen in einer chaotischen Umgebung.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass das Reisen eine Menge thematischer Abwechslung verspricht. Während man in einer festen Umgebung meist in der gleichen Art von Begegnungen und Motivationen gefangen ist, ist es für einen Spielleiter im Roadmovie kein Problem immer wieder neue Umgebungen, NSCs und damit Stimmungen zu erzeugen. Gerade sind die Charaktere aus der großen Stadt entkommen, schon treffen sie auf ein Hillbilly-Dorf, in dem der Sherif als Alleinherrscher besteht. Kurz darauf kommen sie bei einem Bauern unter, auf dessen einsam gelegener Farm es spukt, und flüchten sich in eine Kleinstadt, wo ein eigenartiger Wanderprediger, die Leute anzieht. Würde all dies in der ursprünglichen Stadt, aus der die Charaktere stammen, passieren, wären diese Ereignisse  mehr als unglaubwürdig.

Es existiert zudem ein positiver Effekt bei der Charakterentwicklung: Die Charaktere können oder müssen sich jeden Tag neu erfinden. Die Ereignisse überstürzen sich und erfordern Variation in der Problemlösung. Gleichzeitig hat man immer neue Chancen auf Leute zu wirken, da diese keine Erfahrung von dem bisherigen Verhalten des Charakters haben. Die Möglichkeiten neue Fertigkeiten und Wissen zu erlangen ist nicht nur gegeben, sondern vielmehr lebensnötig.

Stay on these Roads
oder: Anschauungsmaterial für Roadmovies

Um eine Idee zu bekommen, wie ein zukünftiges Road-Movie-Abenteuer gestrickt wird, zum Schluss noch ein paar Anregungen.

Filme

  • BONNIE UND CLYDE (Authur Penn 1969)
  • EASY RIDERS (Dennis Hopper 1969)
  • HITCHER – DER HIGHWAY KILLER (Robert Harmon 1986)
  • RAIN MAN (Barry Levinson 1988)
  • THELMA UND LOUISE (Ridley Scott 1991)
  • KALIFORNIA (Domink Sena 1993)
  • NATURAL BORN KILLERS (Oliver Stone 1994)
  • KNOCKING’ ON HEAVEN’S DOOR (Thomas Jahn 1997)
  • THE STRAIGHT STORY (David Lynch 1999).
  • LITTLE MISS SUNSCHINE ((Jonathan Dayton und Valerie Faris 2006)
  • STICHTAG (Todd Phillip 2010)

Rollenspiel

  • Warhammer: Shadows over Bögenhafen (GW 1987, dt von Schwarzes Einhorn 1997)
  • Horror on the Orient Express (Chaosium 1991, dt. von Pegasus 2004)
  • Cyberpunk: Land of the Free (Talsorian 1994)
  • Unknown Armies: To Go (Atlas Games 2003)

 

Dies ist ein Artikel zum Thema Über Stock und über Stein für den aktuellen Karneval der Rollenspielblogs.

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